Gesundheitliche Aspekte der Planetary Health Diet

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass eine konsequente Befolgung dieser Ernährungsweise mit erheblichen gesundheitlichen Vorteilen verbunden ist.

Eine Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health ergab, dass Menschen, die sich eng an die PHD halten, ein um 30 % geringeres Risiko für einen vorzeitigen Tod aufweisen. Besonders bemerkenswert ist, dass dieses reduzierte Sterberisiko alle wichtigen Todesursachen betrifft, einschließlich Krebs, Herzkrankheiten und Lungenerkrankungen.

Die gesundheitlichen Vorteile der PHD lassen sich auf mehrere Faktoren zurückführen:

Nährstoffreiche pflanzliche Lebensmittel: Die PHD legt großen Wert auf den Verzehr von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten. Diese Lebensmittel sind reich an essenziellen Vitaminen, Mineralstoffen, Antioxidantien und Ballaststoffen, die für eine optimale Körperfunktion und Krankheitsprävention unerlässlich sind.

Reduzierter Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch: Die PHD empfiehlt eine Begrenzung des Verzehrs von rotem Fleisch auf maximal 98 Gramm pro Woche. Dies steht im Einklang mit Erkenntnissen, die einen übermäßigen Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs und Herzkrankheiten in Verbindung bringen.

Ausgewogene Fettzufuhr: Die PHD betont die Aufnahme von ungesättigten Pflanzenfetten bei gleichzeitiger Begrenzung gesättigter Fette. Diese Ausgewogenheit kann zur Verbesserung des Lipidprofils beitragen und Entzündungen reduzieren, die oft Vorboten für Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes und Herzkrankheiten sind.

Ballaststoffreiche Ernährung: Der hohe Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln in der PHD führt zu einer erhöhten Ballaststoffaufnahme. Ballaststoffe spielen eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit und können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten senken.

Omega-3-Fettsäuren: Die PHD empfiehlt den regelmäßigen Verzehr von Fisch oder alternativen Omega-3-Quellen. Omega-3-Fettsäuren sind bekannt für ihre entzündungshemmenden Eigenschaften und ihre positive Wirkung auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit.

Nachhaltigkeitsaspekte der Planetary Health Diet

Die Planetary Health Diet bietet nicht nur gesundheitliche Vorteile, sondern kann auch für den Schutz unseres Planeten von großer Bedeutung sein – und zwar in mehrfacher Hinsicht:

1. Reduktion der Treibhausgasemissionen

Ein Drittel der weltweit von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen hängt mit unserer Ernährung zusammen, und das, obwohl rund 800 Millionen Menschen an Hunger leiden und 3,1 Milliarden Menschen sich keine gesunde Ernährung leisten können. Um Hunger und Unterernährung effektiv zu bekämpfen, muss die Nahrungsmittelproduktion weiter ausgeweitet werden. Ohne weitere Treibhausgasemissionen ist das nicht möglich – oder doch?

Mithilfe der Planetary Health Diet könnten laut einer Studie der Universität Groningen die globalen ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen um 17 % gesenkt werden. Dabei könnte die derzeit überkonsumierende Gruppe (56,9 % der Weltbevölkerung) durch Ernährungsumstellungen 32,4 % der globalen Emissionen einsparen und so die zusätzlichen Emissionen zur Ernährungssicherheit der Weltbevölkerung mehr als auffangen.  

2. Förderung der Biodiversität

Die Planetary Health Diet legt großen Wert auf die Vielfalt pflanzlicher Lebensmittel und fördert damit die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Biodiversität. Dies ist besonders wichtig, da die landwirtschaftliche Biodiversität weltweit bedroht ist und die derzeitige Produktion und der Konsum sich auf eine sehr begrenzte Anzahl von Nutzpflanzen konzentrieren. Durch die strategische Nutzung lokal angepasster, nährstoffreicher Pflanzen kann diese Biodiversität erhalten werden.

3. Schutz der Ökosysteme

Die Planetary Health Diet trägt wesentlich zum Schutz der Ökosysteme bei, indem sie den Fleischkonsum reduziert und pflanzliche Lebensmittel in den Vordergrund stellt.

Etwa 43 % der eisfreien Landmasse werden landwirtschaftlich genutzt. 83 % dieser landwirtschaftlichen Nutzfläche entfallen auf tierische Produkte. Entsprechend sind diese Produkte für 67 % der durch Landwirtschaft verursachten Entwaldung und somit für das Aussterben von Arten verantwortlich. Die Umstellung auf pflanzenbasierte Ernährungssysteme hat laut einer englischen Studie das Potenzial, die ernährungsbedingte Landnutzung um 76 % zu reduzieren.

Für die Produktion von 1 kg Rindfleisch werden 43.000 l Wasser benötigt. 1 kg Getreide benötigt hingegen lediglich 1.000 Liter. Durch die PHD könnten entsprechend gigantische Mengen Wasser eingespart werden. Zusätzlich würde sich die Wasserqualität verbessern. Weniger tierische Produkte bedeutet weniger Düngemittel und Gülle für die Futtermittelproduktion und folglich auch weniger Stickstoffbelastung in unseren Gewässern.

Grundprinzipien der Planetary Health Diet (PHD)

Wie gezeigt, kann die Planetary Health Diet sowohl die menschliche Gesundheit als auch die Umwelt schützen. Doch wie sieht die PHD konkret aus?

Zusammensetzung des Tellers:

Die PHD empfiehlt eine ausgewogene Verteilung der Nahrungsmittel auf dem Teller. Insbesondere sollte sowohl aus gesundheitlichen als auch aus Gründen der Nachhaltigkeit bei der Zusammensetzung des Tellers weitestgehend auf rotes Fleisch sowie auf besonders stärkehaltiges Gemüse verzichtet werden. 

Die geschilderte Zusammensetzung fördert eine nährstoffreiche Ernährung, die reich an essenziellen Vitaminen, Mineralstoffen, Antioxidantien und Ballaststoffen ist. Der hohe Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln trägt zur Prävention von Krankheiten bei und unterstützt eine optimale Körperfunktion.

Die PHD ist konkret genug, um durch ihre Umsetzung eine echte Wirkung zu erzielen und flexibel genug, um an verschiedene kulturelle Kontexte angepasst zu werden. So können Menschen weltweit ihre traditionellen Ernährungsgewohnheiten beibehalten und gleichzeitig die Grundprinzipien der PHD befolgen.

Die PHD lässt dabei auch genug Raum für persönliche Präferenzen und spezifische Ernährungsbedürfnisse. Sie kann sowohl vegetarische als auch vegane Ernährungsformen umfassen, erlaubt aber auch moderate Mengen an Fleisch und Milchprodukten für diejenigen, die nicht völlig darauf verzichten möchten.

Die PHD in Deutschland

Nach Angaben von WWF-Deutschland würde eine Anwendung der PHD in Deutschland nicht nur die Treibhausgasemissionen erheblich senken – eine Reduktion von bis zu 48 % der ernährungsbedingten Emissionen wäre möglich – sondern auch den Flächenbedarf für die Landwirtschaft um bis zu 49 % verringern. Der Biodiversitätsverlust könnte ebenfalls stark reduziert werden, insbesondere durch eine geringere Nachfrage nach Futtermitteln wie Soja, deren Anbau oft mit Entwaldung in artenreichen Regionen wie Brasilien einhergeht.

Die gesundheitlichen Vorteile der PHD sind ebenso bedeutend, wie eine andere WWF-Studie belegt. Eine Umstellung auf diese Ernährungsweise könnte das Risiko für chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes senken und die vorzeitige Sterblichkeit in Deutschland um bis zu 20 % reduzieren.

Für Einzelpersonen in Deutschland ergeben sich aus diesen Erkenntnissen konkrete Handlungsempfehlungen. Der erste Schritt besteht darin, den Fleischkonsum schrittweise zu reduzieren und durch pflanzliche Proteinquellen wie Bohnen, Linsen oder Erbsen zu ersetzen. Diese Lebensmittel sind nicht nur umweltfreundlicher, sondern bieten auch gesundheitliche Vorteile wie einen hohen Gehalt an Ballaststoffen und essenziellen Nährstoffen. Mittlerweile gibt es in hiesigen Supermärkten zahlreiche Alternativprodukte wie Tofu, Tempeh oder Seitan, die dabei helfen können, traditionelle Fleischgerichte nachzuahmen. Pflanzliche Milchalternativen wie Hafer-, Mandel- oder Sojamilch eignen sich zudem hervorragend als Ersatz für Kuhmilch.

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Darüber hinaus ist es sinnvoll, regionale und saisonale Produkte zu bevorzugen, um Transportemissionen zu minimieren und die lokale Landwirtschaft zu unterstützen. Obstsorten wie Äpfel oder Beeren aus heimischem Anbau können Zitrusfrüchte ersetzen, die oft aus wasserarmen Regionen importiert werden. Für Vitamin-C-reiche Alternativen bieten sich Hagebutten oder Sanddorn an, die deutlich nachhaltiger produziert werden können.

Jeder kleine Schritt hin zu einer nachhaltigeren Ernährung zählt – sowohl für die persönliche Gesundheit als auch für den Planeten.

Muss (planetarisch) gesunde Ernährung teuer sein?

Um Hafermilch herzustellen, werden im Wesentlichen Wasser und Hafer benötigt. Zur Herstellung von Kuhmilch hingegen müssen Kühe aufgezogen, gefüttert und tierärztlich untersucht werden. Dennoch kostet Hafermilch etwa dreimal so viel wie Kuhmilch. Auch die Kosten für andere Molkereiprodukte und Fleisch sind im Vergleich zu pflanzlichen Produkten unverhältnismäßig günstig.

Einen ersten Erklärungsansatz zur Kostenunverhältnismäßigkeit liefert eine Studie zu den Agrarsubventionen der EU. 82 % davon entfallen auf die Produktion tierischer Lebensmittel. Vor allem Hammel-, Ziegen-, und Rindfleisch werden auf diese Weise subventioniert und künstlich günstig gemacht. Milch wird ebenfalls subventioniert, doch in einem weitaus geringeren Ausmaß. Neben den EU-Subventionen gibt es jedoch noch zahlreiche nationale Fördermaßnahmen für die Milchwirtschaft, wie eine niedrigere Mehrwertsteuer und zusätzliche steuerliche Vergünstigungen. Und schließlich werden alternative Produkte in den Supermärkten als Premiumprodukte vermarktet, um einen höheren Preis einzufordern.

Eine Umstellung der Agrarwirtschaft kann sicherlich nicht von heute auf morgen gelingen, doch aktuelle Steuermechanismen zielen in die falsche Richtung. Wenn Politik und Marktteilnehmer hier gegenlenken, dann muss auch eine planetarisch gesunde Ernährung nicht teuer sein.